Sonntag, 24. Juli 2022

Ich bin dann mal weg...

 ... und zwar für drei Wochen.
Die letzten Wochen waren aus verschiedenen Gründen anstrengend. Das Wetter hat einen großen Teil dazu beigetragen, aber die Arbeit war auch anspruchsvoll. 

Ich hatte Beratungsgespräche, wo es auch mal etwas tiefer ging und das ist fordernd.
Bevor der Akku sich dann ganz entleert mache ich mal für drei Wochen frei.

Der Anrufbeantworter ist entsprechend besprochen, Mailnachrichten gehen raus. Schön, dass die Technik da unterstützt. 

Was mich nachdenklich gemacht hat war die Frage;
"Kannst Du es Dir als Selbstständige überhaupt leisten drei Wochen Urlaub zu machen?"

Dazu die Gegenfrage: "Was nutze ich Klient*innen, wenn ich Erholung brauche und gönne mir die nicht?"

Ja, ich kann und will mir das leisten. Auch, wenn mir dadurch eventuell Beratungsaufträge (das war nämlich die Sorge) quasi wegfallen.

Es gibt genug zu tun, auch nach meinem Urlaub. 😉

Genießt die Zeit die für Euch passt. 



Bild von artisticme auf Pixabay

Sonntag, 17. Juli 2022

gelesen: "Mit Long Covid zurück ins Leben"


Eine Anleitung für mehr Energie, Gesundheit & Lebensqualität
Von Stefanie Nüßlein und Dr. med. Cornelia Ott; erschienen im Südwest Verlag; ISBN:978-3-517-10185-9; Preis: 20,00 €

Corona begleitet uns seit über zwei Jahren. Seitdem müssen wir uns auch mit dem Thema Long Covid beschäftigen. Long Covid bedeutet, dass nach der Infektion massive gesundheitliche Einschränkungen gegeben sind. Dieses Buch hat mir das noch einmal verdeutlicht. Wie sagt eine Kollegin von mir:

“ Corona ist eine Blackbox.“

Dieses Buch ist entstanden aus den Erfahrungen die die Psychologin Stefanie Nüßlein selbst gemacht hat. Zusammen mit Frau Dr. Ott hat sie ein Selbst- Coaching- Programm entwickelt, das Betroffene unterstützen kann. Es enthält Übungen für den Alltag und Tipps, die leicht umzusetzen sind. Allerdings reicht dies meiner Meinung nach, je nach Schwere der Erkrankung, nicht immer aus. Dann wird professionelle Hilfe gebraucht. Aber das Buch und die darin enthaltenen Erfahrungsberichte zeigt, wie schwierig es immer noch ist in eine Reha- Maßnahme zu kommen. Es zeigt auch, dass Long- bzw. Post- Covid von einigen Medizinern immer noch nicht richtig ernst genommen wird.
Im Buch werden Anlaufstellen für Betroffene aufgeführt. Die sollten auch genutzt werden, wenn sich nach einer Infektion etwas nicht richtig anfühlt, aber auch, wenn man sich nicht wirklich erst genommen fühlt.
Dieses Thema wird uns noch lange Zeit beschäftigen, auch wenn die Pandemie offiziell für beendet erklärt werden sollte. Long Covid kann für den Arbeitsmarkt zu einem großen Problem werden, wenn die Betroffenen wochen- oder monatelang nicht mehr zurück in den Beruf kommen.
Also passt bitte auf Euch auf. Eine Covid-Infektion ist keine Grippe.
Ich stelle Euch den Link für den Blick ins Buch ein und wie immer gilt:
Das Buch wurde mir kostenfrei zur Verfügung gestellt was keinerlei Einfluss auf meine (subjektive) Meinung hat. 




Sonntag, 10. Juli 2022

gelesen: "Ganz entspannt vegan"


Warum ein Alltag ohne tierische Produkte erstaunlich einfach ist; von Carina Wohlleben; erschienen im Ludwig-Verlag; ISBN: 978- 3-453-28153-0; Preis: 18,00€

 
Das wir, was unser Essen angeht, alle umdenken müssen, das sollte mittlerweile überall angekommen. Sei es wegen des Klimawandels oder wegen der Tierhaltung oder wegen unserer eigenen Gesundheit. 


Ich habe Carina Wohlleben zusammen mit ihrem Vater Peter Wohlleben im Kölner Treff erlebt und habe sie als sehr entspannt empfunden was die Umstellung auf vegane Ernährung angeht. 

Tenor war, dass das jeder Mensch in seinem Tempo machen soll und so, wie es für ihn passt. Für sie zählt jeder Schritt. Laut Klappentext:“…Das alles, ohne mit dem Finger auf andere zu zeigen…


Thema Massentierhaltung: Auch nicht mein Thema, anhand einiger Beispiele beschreibt die Autorin warum es für sie absolut nicht geht, dass ein Tier getötet wird oder für uns Menschen etwas tut.Ein  Beispiel ist auch die  Hühnerhaltung. 

Mein Mann hält sich ein paar Hühner (als Hobby) und diese Tiere dürfen hier leben, wie sie mögen. Sie dürfen sich draußen aufhalten, haben einen großen Auslauf, legen natürlich Eier, aber wenn sie keine Eier legen, dann dürfen sie auch ihren Lebensabend weiter hier verbringen. Ich definiere das als glückliches Hühnerleben.
Im Teil der Tierhaltung und der Frage nach der Ethik, ob es vertretbar ist tierische Produkte zu essen, da war es mir wirklich zu emotional. Aber das ist das Recht der Autorin.
Thema Nahrungsergänzungsmittel

Das nimmt einige Seiten in Anspruch. Da könnten wir darüber streiten, ob es natürlich ist, all diese Mineralstoffe, Vitamine & Co. regelmäßig zu supplementieren.
Ich habe natürlich auf das Thema Eiweiß geschaut. Ich habe immer die biologische Wertigkeit im Blick. Das erklärt Frau Wohlleben auch gut. 

Aber bei pflanzlichen Eiweißen muss einfach genauer hingeschaut werden. Mir reicht es nicht, wenn geschrieben steht: „Kombiniere zu jeder Mahlzeit mindestens zwei Proteinquellen miteinander“ und dann folgen zwei Beispiele. 

Aber vielleicht wird das im Kochbuch von Frau Wohlleben anders kommuniziert, das im Oktober erscheint. In diesem Buch finden sich 14 vegane Rezepte, die mich auch ansprechen.



Mein Fazit: Ja, wir alle müssen unsere Ernährung überdenken aus oben genannten Gründen.
Ich persönlich versuche in die Richtung pflanzenbetonte Ernährung zu gehen, woran das Lesen des Buches auch nichts geändert hat. 

Wie immer stelle ich Euch den Link für den Blick ins Buch ein. Und auch hier gilt.

Dieses Buch wurde mir kostenfrei zur Verfügung gestellt, was keinerlei Einfluss auf meine (subjektive) Meinung hat. 

Euch allen einen schönen Sonntag.


 

 

Sonntag, 3. Juli 2022

Es hakt gerade- Schreibblockade


Es passiert mir nach 10 Jahren Bloggerei jetzt wirklich zum ersten Mal, dass ich ein Thema, was mir sehr am Herzen liegt nicht auf`s Papier bekomme.

Dabei habe hört sich das im Grunde genommen ganz einfach an.
Ziel war letztendlich zu erklären, warum eine 15- Minuten-Ernährungsberatung keine Ernährungsberatung ist.

Da kam mir die Frage einer Bekannten gerade recht. Ich habe vor einigen Tagen einen Facebook- Post des VDD e.V. geteilt, in dem vom G-NCP geschrieben wird.  Die Frage meiner Bekannten war schlicht und ergreifend. „Du hast da etwas über den G-NCP geteilt. Kannst Du mir bitte mal erklären, was das genau ist?“

„Das schaffe ich locker“ war mein erster Gedanke, denn jede Ernährungsfachkraft, die gut arbeitet, nutzt den G-NCP für sich.

Dann wollte ich noch etwas schreiben, was im Beratungsprozess noch alles abläuft. Was für Patient*innen wichtig ist, was mir wichtig ist. Dinge, die ich aus meiner Ausbildung zum NLP-Practitioner mitgenommen habe.

Ich habe jetzt immer wieder Word aufgerufen, habe Texte geschrieben. Einen Text habe ich von einer Kollegin gegenlesen lassen.

Ich hatte einen Austausch mit einer Ernährungsfachkraft, die für einen App-Hersteller arbeitet, und deren Beratungstermine zum großen Teil im 15-Minuten-Rhythmus getaktet sind.

Informationen habe ich ausreichend, aber es fühlt sich gerade nicht richtig an, so wie es im Dokument steht. Es ist nicht rund. Es fügt sich nicht zusammen.

Aus diesem Grund lasse ich es erst einmal ruhen. Mir sind Blogbeiträge wichtig, die bei mir ein gutes Gefühl hinterlassen und außerdem fachlich korrekt sind.

Aber bitte nicht wundern, wenn Ihr hier etwas über gelesene Bücher oder Erlebnisse aus der Beratungspraxis findet. Das macht mir kein Problem.

Ich wünsche Euch allen einen schönen Sonntag. 


 

 

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Sonntag, 26. Juni 2022

Wenn ein Kind weint

Ich habe da einen sehr pfiffigen Jungen in der Beratung bei dem der Kinderarzt befürchtet, dass er in die Übergewichtsschiene abdriftet.
Laut Perzentile ist es auch so, aber ich schaue mir die Kinder im Vorfeld gerne mal an ob sich das nicht mit dem "Rettungsring" erklären lässt, den viele Kinder im Vorfeld eines Wachstumsschubs entwickeln. 

Ich meine damit das Bäuchlein, das alle Kinder entwickeln.
Dieser Junge ist etwas stabiler gebaut, was nicht per se negativ sein muss. Er kam mit seiner Mutter und in der Folgeberatung dann auch noch mit Oma und Schwester.

In der ersten Beratung haben wir gemeinsam (die Mutter habe ich bewusst aus diesem Gespräch so weit es ging raus gelassen) besprochen, was er gerne mag, was er so gar nicht mag, was er am Tag isst, wie es mit Bewegung aussieht und noch so einige Dinge mehr.

Er war total interessiert, kannte sich mit der Anatomie total gut aus weil ihn das Thema interessiert. Wir haben ein Ziel bis zum nächsten Termin besprochen, ein ziel, das er sich selbst gesetzt hat und auch formuliert hat. Letztendlich waren es drei Ziele, ich habe versucht ihn auf ein ziel zurück zu holen, aber es kam der Satz:"Ich schaffe das."
Nun gut.
Beim Folgetermin kam ein komplett niedergeschlagener Junge zu mir wie oben beschrieben mit Mutter, Schwester und Oma. Er hatte auch Tränen in den Augen. Warum?
Er hatte seine Ziele nicht erreicht. Er war von sich selbst enttäuscht und überspielte das mit Bockigkeit.

Ich habe versucht den Druck für ihn rauszunehmen. Ich habe ihm erklärt, dass es durchaus normal ist nicht sofort alles zu schaffen. Letztendlich habe ich ihn gefragt, was er sich wünscht.
Klare Ansage: "Ich möchte, dass ich mal machen kann was ich möchte und mir keiner sagt,dass ist falsch."
Klares Bestreben nach Autonomie, selbst entscheiden können und dürfen.
Wir haben abgesprochen, dass die Kinder in der kommenden Woche entscheiden dürfen, was sie essen möchten, aber dass sie auch Rücksprache halten müssen, was für die Mutter und die Oma machbar ist.

Dann war  da noch Ketchup und Mayo zu jeder Mahlzeit ein Thema. Die Mutter und Oma fanden die Mengen zu viel. Da habe ich mit meinem jungen Patienten eine Strategie besprochen, nämlich dass er diese "Köstlichkeiten" ein Mal auf den Teller portionieren kann und dann kommt es wieder in den Kühlschrank.
In der Familie gibt es drei Mahlzeiten. Daran sollte sich auch gehalten werden. Das hat sich so nebenbei entwickelt. Vorsichtshalber habe ich nachgefragt ob das alles machbar sei. Ich wollte nicht schon wieder ein Negativerlebnis. Alle Parteien waren damit einverstanden.

Vor ein paar Tagen hat mich die Mutter angerufen und erzählt was so alles gelaufen ist.
Mein Klient kommt mit den drei Mahlzeiten aus. Er fragt zwischendurch auch nicht nach Snacks, es sei denn die Familie ist unterwegs und alle essen z.B. ein Eis.
Ketchup und Mayo sind nur noch kurzfristig auf dem Tisch, genau wie besprochen.
Die Mutter hatte selbst erkannt, dass es wirklich um Autonomie, um Selbst-Tun geht. Sie bindet ihren Sohn mit ein. Er braucht auch kleine Schritte. Sonst folgt die Enttäuschung.
Kleine Schritte sind weitaus effektiver, weil sich die Umstellungen in Gewohnheiten wandeln.
Ich bin mit dem, was diese Familie, was dieser Junge erreicht hat total zufrieden. Er wird seinen Weg gehen. Er wird wachsen sowohl körperlich als auch mental.


 


Bild von for donat boosty.to/victoria_art_music auf Pixabay

Mittwoch, 22. Juni 2022

"Ich bin noch zu jung um lebenslang Tabletten zu schlucken"

 Im Moment erlebe ich viele Patient*innen, die ihre Entscheidung wegen einer bariatrischen Operation kritisch hinterfragen.
Ich mische mich da in keine Entscheidung ein, denn es ist nicht mein Weg. Ich begleite sowohl bei einer bariatrischen Op als auch beim konservativen Abnehmen.

Vor mir saß eine sehr "gereizte" Frau, aber noch nicht alt genug für die Wechseljahre. Sie hatte gerade in ihrem Adipositaszentrum alle Termine gecancelt. 

Es gab drei Auslöser: zum Einen funktioniert es gerade mit dem Abnehmen auf konservative art, das bedeutet durch eine Ernährungsumstellung.

Dann hatte sie bei einer Bekannten gesehen, was die an Nahrungsergänzungsmitteln (NEM) und Eiweißpräparaten einnehmen musste. Für sie hatte das nichts mehr mit Genuss und normalem Essen zu tun. Sie will die Pizza gemeinsam mit ihren Kindern oder die Stammtische mit ihren Mädels nicht einer Magenverkleinerung "unterordnen", wie sie sich ausdrückte.

Der letzte Auslöser war dann, dass sie eine Bekannte, die sie längere Zeit nicht gesehen hat, als sehr erschlankt wahrgenommen hat. Außerdem hatte sie Essen und Trinken getrennt, alles Dinge, die wir in der beratung besprochen hatten.

Sie hat diese Bekannte darauf angesprochen, ob sie sich den Magen hätte verkleinern lassen.
Die Antwort war dann sinngemäß: "Nicht freiwillig. Ich hatte einen bösartigen Tumor im Magen und deshalb musste mir ein Großteil des Magens entfernt werden."

Irgendetwas ist da in Bewegung gekommen. Sie sagre zu mir, dass es doch nicht sein kann, dass sie sich freiwillig ein gesundes Organ kaputt operieren lässt und andere möchten ihren Magen gerne behalten und werden von einer Krankheit zu Operation gezwungen. 

Diese Frau hinterfragt seitdem ihr komplettes Leben. Unzufrieden mit den Arbeitsbedingungen im Job, da sucht sie Veränderung. Unzufrieden mit der Familiensituation, da sucht sie nach einer Lösung.

Ich hae ihr erzählt, dass es Möglichkeiten im Bereich des Coachings gibt sich über einige Dinge klar zu werden oder halt zu erfahren, wie sie ihr Ziel erreichen kann. Das gehen wir beim nächsten Termin an.

Eine Frau geht ihren Weg. 

Das wäre ein toller Titel für ein Buch. ;-)






Bild von Peggy und Marco Lachmann-Anke auf Pixabay

Sonntag, 19. Juni 2022

Wasch mich aber mach mich nicht nass

 Dieser Satz ist mir eingefallen bei einem Beratungsgespräch mit einer Patientin, die ich schon etwas länger kenne.
Sie möchte abnehmen, das ist ihr größter Wunsch. Wir haben natürlich Ziele besprochen um eine Ernährungsumstellung zu erreichen. Ein Ziel war: eine kleine Auszeit für sich nehmen und zwar in Form einer Tasse Kaffee bevor sie wieder zur Arbeit fährt.

Es hat nicht funktioniert.
Ich habe selbstverständlich nachgefragt warum es nicht funktioniert hat, ob das Ziel vielleicht doch zu hoch gesteckt war und dann sprudelte es aus hier heraus.
Sie fühlt sihc für alles und jeden verantwortlich, schleppt wirklich noch richtige Traumata aus der Kindheit mit sich herum, hat schon diverse Psychotherapeuten besucht, immer wieder gewechselt.
Ich habe daraufhin mal mit einem weißen Blatt Papier und Fragen aus dem NLP gearbeitet. 

Viele Fragen, die ich ihr gestellt habe konnte sie nicht beantworten oder es kam der Satz:
"Ich weiß das ja alles. Das haben mir andere Therapeuten auch schon gesagt, aber ich will da nicht ran."

Eine Therapeutin hat auch wohl in den Raum geworfen, dass da eventuell Missbrauch in der Kindheit mit im Spiel sein könnte, aber das wisse sie ja nicht wirklich. Sie hat sich dann eine andere Therapeutin empfehlen lassen, war dort auch einmal, aber sie könne ja nicht ständig 40 km fahren.

Dann kam der Satz:"Frau Hagedorn, wollen Sie nicht mal zwischendurch eine Rechnung schreiben? Sie müssen für Ihre Arbeit ja auch schon mal Geld haben." da war mir klar: Ich komme mit dieser Frau nicht weiter (wobei ich bei Traumata sowieso nicht in Aktion gehe) und diese Frau will auch nicht wirklich weiter kommen.

Rein statistisch hat diese Frau noch mindestens 35 Jahre Lebenszeit vor sich. Mindestens. Sie wird diesen Ballast immer mit sich rumtragen. Sie wird das auch wissen. 

Aber ich weiß: Ich kann niemandem helfen, der sich nicht helfen lassen möchte. Wobei sich meine Arbeit in diesem Fall wirklich auf die Ernährungstherpie beschränken würde. Aber auch hier werden Ziele, die sie selbst formuliert hat nicht umgesetzt. 

Es ist traurig, aber ich als Diätassistentin muss mir immer vor Augen führen, dass es auch für meine Arbeit Grenzen gibt und dies stecken meistens die Patient*innen.



Bild von succo auf Pixabay