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Sonntag, 22. Oktober 2017

vorgestellt: Ernährungsmedizin Blog

Am vergangenen Wochenende habe ich Euch von meinem Pharmakologie-Seminar berichtet, was mich immer noch sehr beschäftigt.
Gleichzeit habe ich einen neuen Blog auf meiner Blogroll, sprich auf meiner Empfehlungsliste:
Ernährungsmedizin Blog
Professor Smollich bloggt jetzt auch und das sind zum Teil Themen dabei, da mag ich nicht drüber nachdenken. Aber andere Menschen beschäftigen sich damit.
An wen richtet sich der Blog?
Zitat: "Dieses Fachblog liefert wissenschaftlich fundierte Informationen zu den neuesten Entwicklungen in der Ernährungsmedizin. Dazu werden aktuelle Trends und Studienergebnisse nicht nur vorgestellt, sondern auch diskutiert, bewertet und eingeordnet. Angehörige der Heilberufe, Ernährungsfachkräfte, Journalisten und interessierte Laien finden hier eine verlässliche Informationsquelle: fundiert, kritisch und unabhängig."
Professor Smollich hat uns erzählt, dass er sich in einer Kommission um Anfragen zu solchen Themen kümmert, informiert und diese Infos an den Fragesteller gibt oder auch im Blog veröffentlicht. Es handelt sich also um Themen, die von Patienten an Ärzte herangetragen werden oder halt auch von Ernährungsfachkräften.
Er stellt kostenlose Infomaterialien zum freien Download zur Verfügung, die auch verbreitet werden dürfen,natürlich mit korrekter Quellenangabe.
All denjenigen, die Medikamente nehmen empfehle ich den Download aus diesem Blogbeitrag. Medikamente "fressen" nämlich auch Mineralien. Da sind dann regelmäßige Kontrollen notwendig.  Sucht Euch einfach das Wort "hier" und der Download startet.
Sollte der Arzt das nicht glauben, dann nehmt die PDF mit. Ich werde in meiner Beratung diese Infos auch verstärkt mit einfließen lassen.
Wer diese Thematik interessant findet und auf dem neuesten Stand sein möchte, der kann das Blog bzw. neue  Beiträge per Mail abonnieren.
Ich habe da noch zwei Anmerkungen für den Autor, was das Handling und das Wording angeht.
Ich bevorzuge es, wenn sich neue Beiträge in einem neuen Fenster öffnen. Damit meine ich, dass z.B. nach dem Schließen einer PDF nicht die komplette Seite geschlossen wird, sondern das ich wieder bei meinem Ursprungsbeitrag ankomme. Das müsste eine Einstellungssache sein.
Zielgruppe sollen auch interessierte Laien sein.
Mir stellt sich die Frage ob diese Laien mit Worten wie z.B "Dygeusie" etwas anfangen können?
Google wird das schnell erklären können, aber warum nicht auf Dauer eine Art "Glossar" ?Ich freue mich über jeden Beitrag, manchmal muss ich dann doch lachen bzw. es schüttelt mich dann doch. Beispiel : Kapseln mit Eiern des Schweinepeitschenwurms

Ach ja, Der Blog ist auch bei Facebook zu finden.
Bildrechte: Prof. Dr. Martin Smollich



Sonntag, 15. Oktober 2017

fortgebildet: Aufbauseminar Pharmakologie

Ich bin gerade dabei meine Unterlagen vom Aufbauseminar "Pharmakologie für die ernährungstherapeutische Praxis-Arzneigruppen mit Ernährungsbezug" zu sortieren und die dazugehörigen Notizen zu sichten.
Eine gute Gelegenheit um Euch einige Erkenntnisse und Aha-Erlebnisse aufzuschreiben,bevor die Sonne uns heute nachmittag noch einmal verwöhnen wird.
Dozent, war, wie im vergangenen Jahr, Prof. Dr. M. Smollich. Schon im letzten Jahr hat mich diese Thematik richtig angepiekt und nach diesem Aufbauseminar möchte ich meine Klienten noch mehr für Wechselwirkungen etc. senibilisieren. Ob ich diese Thematik beim Arzt unterbringen kann-Ich werde es sehen. Bei mir geht das Patientenwohl vor.
Folgende Themen sollten besprochen werden:
  • Diabetes (insuline & Antidiabetika)
  • Adipositas (Appetitzügler)
  • Fettstoffwechselstörungen (Choesterinsenker)
  • Gicht (Gichtmittel)
  • Gastritis & Ulkuserkrankungen (Antazida und Protonenpumpenhemmer)
  • Obstipation und Diarrhö (Laxanzien und Antidiarrhoika)
  • chronisch entzündliche Darmerkrankungen (aktuelle Therapiekonzepte
Vorneweg: Adipositas und Gicht haben wir in den zwei Tagen nicht besprochen. Die Zeit reichte einfach nicht. Prof. Smollich hat im Vorfeld die Themen abgefragt, die von uns Teilnehmerinnen favorisiert wurden. Da kamen diese Themen zum Schluss. Ich habe die Unterlagen dazu aber hier und werde das für mich nacharbeiten. Ihm war es auch wichtiger unsere Fragen zu beantworten.
Was ich schön fand war, dass ich die meisten Teilnehmerinnen vom Vorjahr kannte. Das lockert die Seminaratmosphäre direkt schon mal auf.
Gestartet sind wir mit den Fettstoffwechselstörungen.
Da gibt es so viel zu beachten. Ich habe mittlerweile viele Medikationspläne gesehen. Meist steht ein Diuretikum mit auf dem Plan. Wenn diese Mittel eingesetzt werden ist zu beachten, dass die Konzentration von anderen Substanzen, z.B. der Harnsäure steigt und einen Gichtanfall auslösen  kann oder wenn sich die Thrombozyten erhöhen steigt das Risiko für eine Embolie oder einen Infarkt. Dementsprechend können natürlich dann auch die Trigyceride und das LDL ("böses Cholesterin" ;-))ansteigen. Diuretika sollten einschleichend eingesetzt werden, also langsam mit geringen Mengen anfangen und dann steigern. Ist das gängige Praxis?
Wichtig zu wissen ist, dass es unter Statinen zu sog. Myopathien = muskelkaterartige Schmerzen im Inneren der Extremitätenmuskeln kommen kann. Wer (ältere) Menschen im Haus wohnen hat oder auch in der Beratung sollte abgefragt werden, ob es unter Statinen solche Beschwerden gibt.Meist werden dann Knochenschmerzen genannt.
Das muss kontrolliert werden,evtl. muss die Medikation geändert werden.
Und ein Satz ist auch wichtig:"Es gibt keinen Prozess, der nicht durch Statine gehemmt wird"
Das soll aber nicht heißen, dass Statine schlecht sind. Sie müssen richtig angewendet werden.
Und ganz wichtig: Statine und Fibrate(gegen erhöhte Triglyzeridwerte) dürfen nicht kombiniert werden!!!
Nächstes Thema :Ulkus und Gastritis
Natürlich waren die Protonenpumpenhemmer (PPI) da großes Thema. In der Geriatrie kritisch zu sehen und keine Anwendung über 8 Wochen. Es sollte bei längerfristiger Einnahme mindestens 2 mal im Jahr eine Kontrolle auf B12 (eine Standarddosis reduziert die Aufnahme von B12 um 70%), Magnesium, Calcium und Eisen.
Die Infektionsrate erhöht sich duch die erniedrigte Magensäure und Darmbakterien (Clostridium diff.) können zu Pneumonien führen. Diese können kniffelig werden, da die alltäglichen Antibiotika evtl. nicht anschlagen, da es sich um Bakterien handelt, die normalerweise in der Lunge nicht zu finden sind und keiner im Akutfall daran denkt.
Im Seminar kam es immer wieder zu Exkursen in andere Bereiche. Ein Thema,bei dem uns allen die Kinnlade runtergefallen ist und was uns auch am Ende dieser zwei Tage beschäftigt hat, war, dass Ibuprofen bei einem grippalen Infekt nicht eingesetzt werden darf, da es das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall um das 10fache erhöht. Und diese Wirkung hält noch längere Zeit nach. Schaut in Euren Medikamentschrank, welche Grippemittel sich dort vielleicht finden,die frei verkäuflich sind, die aber Ibuprofen enthalten. Gönnt Euch lieber Ruhe, bleibt im Bett und kuriert den grippalen Infekt aus. Auch ACC als Schleimlöser wirkt in den Bronchien nicht. Die einzige Schleimhaut, die es auflöst, ist die Magenschleimhaut. Hier hilft eigentlich nur Inhalieren.
Zum Thema Diabetes möchte ich kurz anmerken, dass Metformin ebenfalls den Vitamin B12- Spiegel reduziert, aber es ist nach Lebensstilveränderungen das Mittel der ersten Wahl.
Und dann die chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) wie M. Crohn und Colitis ulcerosa.
Wenn solche Patienten Schmerzen (auch Kopfschmerzen o.ä) haben,dann ist Vorsicht geboten. Niemals die sog.NSAR (ASS, Dicofenac oder Ibuprofen) nehmen. Diese Substanzen können einen Schub auslösen.
Was ich Euch mit auf den Weg geben möchte: Wer längerfristig Medikamente nehmen muss oder meint nehmen zu müssen: Lasst regelmäßig Eure Blutwerte kontrollieren oder fragt nach ob bestimmte Mittel (z.B. PPI) überhaupt noch sein müssen. PPI müssen ausgeschlichen werden!!!
Ich habe natürlich noch viel mehr Input bekommen. Das werde ich weiterhin in meine Beratung einfließen lassen.
Das Frage, die meine Mitstreiterinnen und von ich uns gestellt haben war letztendlich:"Warum ist solch ein Seminar keine Pflicht für Ärzte"
Kolleginnen, die mit in diesem Seminar waren, dürfen gerne ergänzen. Das würde mich freuen.
Für alle Leser gilt: Passt auch Euch auf und bleibt kritisch!



Freitag, 4. November 2016

fortgebildet: Lebererkrankungen...

...und Ernährung. Update 2016
an der Praxishochschule Campus Rheine.
Es war eine kleine, aber sehr feine Fortbildung zum Thema "Lebererkrankungen". Vier gute Vorträge, alle praxisnah und auf keinen Fall langweilig.
Immer öfter kommen Klienten mit der Zuweisung "nichtalkoholische Fettleber" oder einer anderen Indikation plus erhöhten Leberwerten in die Beratung und da kann eine Umstellung der Ernährung hilfreich sein.
Den Anfang machte  Dr. rer. nat. Cordula Siegmann-Thoss und ihrem Vortrag
Die Leber – das Chemielabor in unserem Körper
Es war ein Grundlagenvortrag, der vermittelte, wann und warum was in  der Leber passiert.Die Leber hat zwei Ziele: Der Blick auf den Gesamtorganismus und auf sich selbst. Sie sorgt für eine kontinuierliche Versorung trotz einer nicht kontinuierlichen Nahrungsaufnahme.
Die Leber arbeitet "selbstlos". Sie nimmt immer das, was übrig bleibt.
Bei mir kam bei dieser Beschreibung das Bild einer Hausfrau aus (hoffentlich) früheren Zeiten hoch. Zuerst die Kinder und der Ehemann und dann sie selbst. ;-)
Wenn die Leber schon selbstlos arbeitet, dann sollten wir sie gut pflegen.
Vortrag Nr. 2 hielt Dr. med. Frank Holtkamp-Endemann.
Keynote Lecture
Ernährungsmedizinisch relevante Lebererkrankungen
Also welche Lebererkrankungen sind ernährungsmedizinisch zu beeinflussen.
An erster Stelle bei den Lebererkrankungen stehen die alkoholische und nichtalkoholische Fettleber.
Im Blick sollte man ebenfalls die chemotherapieassoziierten Lebererkrankungen haben.
30% der Allgemeinbevölkerung hat eine Lebererkrankung (zum Teil ohne es zu wissen). Es ist oft ein Zufallsbefund. Rauchen ist ein nicht zu unterschätzender Risikofaktor und die (nichtalkoholische) Fettleber ist ein Vorläufer eines Diabetes mellitus.. Es sollte bei der Diagnose immer ein Screening auf Diabetes erfolgen.
Im dritten Vortrag hat die Kollegin Birgit Blumenschein die Aktuellen Ernährungsaspekte unter die Lupe genommen. Das, was ich und nicht nur ich vor zig Jahren gelernt haben, nämlich bitte kein Eiweiß bei Lebererkrankungen, das ist passé. Ganz im Gegenteil: Der Eiweiß-, aber auch der Fettbedarf sind erhöht.
Birgit Blumenschein ist Praktikerin.
Sie rechnet aus, was die ganzen Prozentangaben zur Nährstoffversorgung auf dem Teller bedeuten. Was  bedeuten die Eiweißempfehlungen in Gramm Lebensmitteln auf dem Teller.
Der letzte Vortrag wurde von Prof. Smollich gehalten. Der Name könnte aus  meinem Pharmakologieseminar noch präsent sein.
Sein Thema:Hepatische Nebenwirkungen von Medikamenten:Management in der Praxis
Dass viele Medikamente nicht gerade leberschonend sind, das wusste ich bereits.
Das Hauptaugenmerk lag bei den sog. pflanzlichen Arzneimitteln. Im Kreise der Zuhörer war viel Erstaunen festzustellen.
Das Schöllkraut in Iberogast, Cimicifuga im Remifemin, Pelargonium in Umckaloabo... Es sind alles pflanzliche Stoff, die eine Wirkung, aber auch Nebenwirkungen haben. Also aufpassen und nicht einfach mal inflationär nehmen, nur weil es pflanzlich ist. Prof. Smollich versucht immer zu sensibilisieren, dass einfach genauer und kritischer hingeschaut wird.
Dann noch das Thema Zimt. Ist ja in der Vorweihnachtszeit aktuell.Zimtsterne- für Kinder sehr kritisch. Warum? Weil kein echter Zimt enthalten ist sondern das Cumarin. Also selbst backen mit Ceylon Zimt (Zutatenliste lesen). Und diejenigen, die Zimtkapseln zur Verbesserung des Diabetes nehmen- ebenfalls Achtung!
Es war eine rundum gelungene Veranstaltung, die Vorträge auf einem hohen Niveau.
Liebe Veranstalter: Weiter so!


P.S. Das war übrigens die letzte Fortbildung in diesem Jahr. Es hat sich etwas "geknubbelt" in den letzten Wochen, aber ich möchte keine einzige Veranstaltung missen.
Bildrechte: FET e.V.


Sonntag, 16. Oktober 2016

fortgebildet: Pharmakologie...

....für die ernährungstherapeutische Praxis
Dozent: Prof.Dr. rer. nat. Martin Smollich

Noch sind die Eindrücke so frisch, dass ich diese tolle Fortbildung mit einigen Sätzen beschreiben möchte.
Liebe Kolleginnen und Kollegen: Wenn Ihr noch weiter über den Tellerrand hinausschauen möchtet und ein Teil des Käsescheiben-Modells sein wollt, dann lege ich Euch dieses Seminar wirklich ans Herz. Wenn ich als "Käsescheibe" einen Fehler vermeiden kann, dann hat sich dieses Seminar mehr als bezahlt gemacht.
Aber zurück zum Thema.
Ich wusste nicht, dass die Pharmakologie spannender sein kann wie ein Krimi. Das lag auch am Dozenten,Prof. Smollich, der die Thematik so aufbereitet hat, dass es über zwei Tag spannend war und auch blieb.
Und wer jetzt denkt, dasswir uns nur mit Wechslewirkungen zwischen Medikamenten und Lebensmitteln beschäftigt haben (was bei einer Fortbilung für Diätassistenten naheliegend wäre), der liegt falsch.
Am ersten Tag wurden uns Grundlagen nahegebracht. Genotyp (jeder Mensch kommt z.B. mit einem anderen Enzymmuster auf die Welt), wie ist die Halbwertzeit eines Medikamentes, was ist die Therapeutische Breite, welche Einflussfaktoren wirken auf Medikamente und noch ganz viel mehr.
Beispiel der Halbwertzeit von Valium als kleines Beispiel und Richtwert: Lebensalter in Jahren (denkt an Eure alten Patienten!!!)
Dann die QT-Zeit -Verlängerung: Das ist der Moment, wenn sich das Herz zusammenzieht und im Körper gerade mal nichts passiert (ganz platt ausgedrückt). Wenn sich der Moment verlängert, bei dem nichts passiert??? Einige Antibiotika, die bei einer Blasenentzündung gegeben werden, können dies auslösen. Deshalb steht in den Fachinformationen auch, dass vor Verabreichung dieser Medikamente ein EKG geschrieben werden muss. Hat das schon mal jemand erlebt?
Paracetamol- sollte verschreibungspflichtig werden. Ein Medikament, dass viel zu oft auf die leichte Schulter genommen wird. Und dann noch bei Kopfschmerzen nach Alkoholkonsum. Gefährliche Mischung.
Noch kurz etwas zu Lebensmitteln und deren Wechselwirkungen mit Medikamenten. Wer Medikamente nimmt sollte sich nie Johanniskraut kaufen. Wer L-Thyrox nimmt sollte mind. eine Stunde nach Einnahme keine Milchprodukte einnehmen  (Milch im Kaffee) oder die Dosis anpassen lassen.
Ich könnte noch viel mehr schreiben, aber manchmal ist weniger mehr. Nacharbeit und Recherche ist angesagt, denn das Thema hat mich angepiekt. Ich und noch einige Kolleginnen mehr hoffen auf ein Aufbauseminar mit noch mehr Indikationen, die wir leider in der Zeit nicht geschafft haben.
Wie drückte sich Prof. Smollich (sinngemäß) aus?
Es ist keine Verkaufsveranstaltung für Medikamente. Medikamente müssen sein, aber sie sollen bewusst eingesetzt werden.
Was Prof. Smollich auch immer wieder ansprach: Hinterlegung der Medikamente auf der Patientenkarte. Es gibt  technische Möglichkeiten, dass eine  Art Warnsystem in Gang gesetzt wird, wenn ein neues Medikament hinzugefügt wird und das nicht zu den anderen passt, also Wechselwirkungen verursacht. In den Niederlanden ist das Alltag, in Deutschland ist das aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht möglich.  Dabei könnte diese Technik eine große "Käsescheibe" im System sein um Fehlerquellen auszuschalten.
Bildrechte: S. Hagedorn