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Dienstag, 29. September 2015

Essen quetschen statt löffeln- Selbsttest

Vor einigen Wochen kam in einem Beratungsgespräch die Rede auf die sog. "Quetschies", Obstpürees oder Puddings in Tüten, die speziell für Kinder angeboten werden.
Gestern, beim Einkaufen bin ich dann über solch ein Produkt gestolpert. Aus Neugier habe ich es gekauft (es war im Sonderangebot!).
Ich war einfach neugierig darauf, wie sich das so anfühlt, wie es schmeckt und natürlich war die Zutatenliste für mich interessant.
Es war schon ein seltsames Gefühl zu wissen, dass ich mir da eine Art Vanillepudding auf Frischkäsebasis in den Mund drücke. Es fühlte sich wurstmäßig an und hatte mit einem normalen Mundgefühl beim Essen mit Besteck, in diesem Fall einem Löffel, absolut nichts zu tun.
Um noch einmal auf die Beratung zurück zu kommen, in der diese Frage auftauchte: Es ging darum, dass diese Art für die Eltern sauberer war, besonders wenn man unterwegs sei. Gut, ist ein Argument.
Wenn ich mich daran erinnere, wie es war, als mein Kind klein war.... wie viele Lätzchen waren in der Wäsche. Aber ich hatte eine Waschmaschine. ;-)
Aber wie stolz war ich damals, als mein Kind zum ersten Mal selbstständig mit einem Löffel gegessen hat. Ein Entwicklungsschritt, speziell für das Kind.
Zurück zum Quetschepudding. Den muss man nicht nur quetschen, der kann auch gesaugt werden.(Ich habe es probiert!) Ist das nicht ein Rückschritt in der Entwicklung, zurück zum Nuckeln, zurück zum Flaschenerlebnis? Mal ganz weg von der Diskussion, dass alles was die Zähne nah umspült auch noch kariogen wirkt , dass Kauen die Sprachentwicklung fördert.
Und noch etwas zur Zutatenliste: in diesen 90g "Masse" steckten 12 g Zucker, das entspricht ca. vier Stück Würfelzucker. Wer isst vier Stücke Würfelzucker in isolierter Form oder möchte, dass das Kind das tut?
Frage: Was möchten Eltern  von bzw. für ihr Kind? Weiterentwicklung?
Ich schreibe das jetzt nicht mit erhobenem Zeigefinger. Jeder muss da für sich die ideale Lösung finden. Vielleicht kann ich aber etwas zur Lösungsfindung beitragen.
Ich freue mich auf persönliche Erfahrungen, aber auch Anregungen zum Thema.
Bildrechte: S. Hagedorn

Kommentare:

  1. Liebe Susanne,

    ich habe mich letztes Jahr im Rahmen einer Trendrecherche zu Kinderlebensmitteln schon sehr über diese "Innovation" gewundert. Vor allem Obst im Quetschbeutel scheint der Renner. Die Hersteller freuen sich.

    Deinen erhobenen Zeigefinger finde ich gut. Denn, wie sollen Kinder mit solchen Lebensmitteln lernen, wie frisches Obst schmeckt. Auch das Argument, viele Kinder mögen eben kein Stückobst, finde ich schwach. Ich habe auch so ein Kind zuhause, dass nur wenige Sorten mag. Aber dann isst es eben die und nach und nach werden andere dazukommen. Und hin und wieder machen wir zusammen aus anderen Sorten einen frischen Smoothie.

    Stattdessen frische Früchte, die ja meist idealerweise schon von der Natur perfekt verpackt sind, in Plastik zu quetschen und für Kinder (oder gar Erwachsene) zum Nuckeln anzubieten... Höchst unnötig und bizarr. Und die Puddingvariante finde ich auch nicht überzeugender.

    Aber solange es Verbraucher gibt, die so etwas kaufen, wird es Firmen geben, die es anbieten.

    Viele Grüße
    Gabi

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  2. Gabi, Danke für Deine Rückmeldung und Deine Anregungen. Erhobener Zeigefinger-den mag ich nicht so.:-) Ich hoffe aber, dass mein Blogbeitrag und entsprechende Kommentare dazu anregen für sich zu überlegen, ob es sinnig ist, zu diesen, wie Du es nennst, "Innovationen" zu greifen.

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  3. Danke für diesen Artikel, liebe Susanne!
    Ich habe ja auch ein Kind im Kindergartenalter. Sie sieht viel bei anderen Kids und geht natürlich auch mit offenen Augen durch den Supermarkt.Die Verpackungen sind schon sehr reizvoll ;)
    Ich habe so was oder ähnliches auch gekauft und habe das große Glück, dass sie das eklig findet. Spannend dabei ist aber, dass sie nochmal auf die Verpackung "reingefallen" ist. Beim zweiten Mal hat sie Gott sei Dank das Interesse vorerst verloren. Worauf ich hinaus will: Kinder essen nicht, weil sie es mögen- sondern weil sie es gewöhnt sind schmecken ihnen irgendwann die Sachen. Da denke ich muss man vielleicht nochmal genauer als Elternteil auch hinschauen. Gerade wenn man verlockende Verpackungen vor sich hat.
    Was meinst Du dazu?
    Liebe Grüße Katharina

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    1. Katharina, Kinder ahmen auch nach. Sie sehen Dinge in Kindergarten und Schule und möchten das dann auch haben. Und dann natürlich die knallig bunten Verpackungen, evtl. + Mehrwert von z.B. einem Spielzeug... Die Werbeindustrie hat Kinder schon lange als Zielgruppe entdeckt. Aber wenn wir als Eltern mit offenen Augen die Kinder begleiten, dann sollte es doch klappen.

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