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Mittwoch, 8. März 2017

"Essen muss mich nur satt machen!"

Diesen Satz bekomme ich öfter zu hören und zwar in der Mehrzahl von Männern in der Altersklasse Mitte 50- 60.
Das heißt für mich: Essen ist Mittel zum Zweck. Genuss muss nicht sein.
Ich hinterfrage dann, ob es Lieblingsgerichte oder alternativ Gerichte gibt, die so garnicht gerne gegessen werden.
Da kommen dann interessante Antworten:
Grießbrei, Milchreis oder Pfannkuchen sind Gerichte die (oft) nicht gemocht werden.
Fleischgerichte die gehen immer. Ein leckerer Braten, Rouladen... die gehören zu den Lieblingsgerichten.
Essgeschwindigkeit frage ich auch gerne mal ab. Also in welche Richtung geht es? Eher Schnellesser oder langsam und genüßlich.
Zu 99,9% handelt es sich um Schnellesser. Wenn ich frage, warum schnell gegessen wird kommt mit einem Augenzwinkern die Antwort:"Das Essen soll nicht kalt werden. Da schmeckt mir dann nicht."
Also muss es doch schmecken und wenn es nur der Tatsache geschuldet ist, dass es kalt nicht schmeckt. ;-)
Ich habe mir überlegt, wann diese Männer groß geworden sind, wann sie Kind waren.
Gehen wir mal 55-65 Jahre zurück. Diese Männer waren Kinder in den Jahren 1962 alternativ 1952.
zum Einen waren es die Nachkriegsjahre bzw. die Zeit des Aufschwungs. Aus Erzählungen meiner Omas und auch meiner Eltern weiß ich, dass es abends oft "Papp" (so sagt man zu "Brei" am Niederrhein) gab. Es ging schnell, war günstig und machte satt. Es konnte auch mal für zwei Tage gekocht werden. Oft ist es so, dass man das, was es oft zu essen gab, irgendwann mal über ist, es wird nicht mehr gemocht, ist verknüpft mit Erlebnissen aus der Kindheit.
Genau wie der Sonntagsbraten. Den gab es, wie der Name schon sagt ,nur einmal in der Woche.
Schnellesser- das kann ich mir auf die gleiche Art und Weise herausfiltern. Es saßen viele Esser am Tisch. Jede/r musste sehen, dass man satt wurde. Vater bekam zuerst, dann die Kinder, Mutter meist zum Schluss.
Ich nehme diese Dinge immer im Hinterkopf in die Beratung mit. Vieles ist anerzogen und hat sich im Gehirn gefestigt.
Männern, nein, auch Frauen die Achtsamkeitsaufgabe mit auf den Weg geben: "Essen ohne"
  • Ablenkung durch Handy, Zeitung, Fernsehen usw. und dann noch 
  • mindestens 10 Minuten Zeit für die Mahlzeit einplanen (ist ja eigentlich nicht viel)
Beim nächsten Beratungstermin dann abfragen.
Die häufigste Antwort: "Können 10 Minuten lang sein!"
Mir liefern diese kleinen Überlegungen oft Anregungen, wie ich mit meinen Klienten arbeiten kann und muss. Es gehören ja immer zwei dazu um ein Ernährungsproblem zu lösen.
Mich interessieren die Erfahrungen von Kollegen und Kolleginnen zu dieser Thematik , aber auch von "Essern". Passt das auch bei euch?
Bildrechte: S. Hagedorn



1 Kommentar:

  1. Liebe Sabine, deinen Beitrag finde ich sehr interessant. Er erinnert mich auch schmerzlich daran, dass mein Vater, Jahrgang 1936, partout keine Lebensmittel wegschmeißen konnte - selbst wenn sie wirklich fast hinüber waren. Ein Kriegskind eben,bei dem "satt werden" außerdem noch eine ganz eigene Bedeutung hatte... Auch das spricht dafür, dass jeder seine ganz persönliche Essbiografie hat, die man berücksichtigen muss.
    Liebe Grüße, Gabi

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